Suche Warenkorb
ben koch hardys badlands 5.jpg ben koch hardys badlands 4.jpg ben koch hardys badlands 3.jpg ben koch hardys badlands 2.jpg ben koch hardys badlands 1.jpg

Das Badlands-Rennen | Ben Koch

Hallo meine Leser!
Wenn einem auf den letzten Metern eines Rennens die Freudentränen die Wangen hinunterlaufen, dann muss es sich um ein besonderes Ereignis handeln!

Auf meinem Wahoo-Fahrradcomputer stehen nur noch 6 der ursprünglichen 780km zurückzulegenden Kilometer. In diesem Moment realisiere ich: Ben, du wirst wirklich Zweiter beim Badlands 2022! Der Gedanke überwältigt mich! Die Sorgen, ob der vom TransBalkanRace noch beeinträchtigte Nacken halten würde, lösen sich in Luft auf und die wochenlange Vorbereitung hat zu einem Ergebnis geführt, von dem ich nicht einmal zu träumen gewagt hatte!

Auf die Plätze, fertig - Wüste wir kommen!

Kurz vor dem Sonnenaufgang um 8 Uhr erfolgte der Start in der wunderschönen mittelalterlichen Stadt Granada. Am Start standen Größen der Ultraszene wie z.B. Ulrich Bartholomäus (2021 Platz 2 bei Badlands), der MTB Europameister '21 Sebastian Breuer, der ehemalige Sky Profi Juan Antonio Flecha oder der Vorjahresfünfte Justinas Laveika. Wie erwartet wurde direkt vom Start weg aufs Tempo gedrückt, wodurch sich auf der Kuppe des ersten Anstiegs eine zehn Mann starke Spitzengruppe bildete. Meine mir vorgenommenen Wattzahlen überschritt ich bei weitem, weshalb ich nach 15km beschloss, die Gruppe fahren zu lassen. Ich wurde in der Folge von vielen Fahrern überholt und fiel zurück auf Position 19. Ich gab mein Bestes, um mir die Situation schönzureden, aber ich kann nicht verleugnen, dass es mich sehr beeindruckt hat, wie stark viele Fahrer wirkten. Doch ich blieb meinem vorgenommenen Fahrplan treu und zügelte mich schweren Herzens.

Und das Blatt wendet sich doch

Nach drei zähen Stunden begann sich das Blatt langsam zu wenden. Ich konnte mich bei gleichbleibender Wattleistung aus einer Dreiergruppe absetzen und begann in einer beeindruckenden Wüstenlandschaft nach und nach Fahrer einzusammeln. Meine Moral stieg, das Gefühl meiner Beine ließ Euphorie in mir aufkeimen und mein Open in Kombination mit den neuen Schwalbe Overland Reifen begann an Fahrt aufzunehmen. Es begann ein Rädchen in das andere zu greifen. Neben dem guten Gefühl auf dem Rad begann sich meine detaillierte Vorbereitung bezahlt zu machen. Genaues Wissen um Versorgungsmöglichkeiten, die nicht von Veranstalter angegeben waren, ermöglichten es mir, Zeit auf meine Mitstreiter gut zu machen. Ein Beispiel hierfür erfolgte bei Kilometer 154 in der Gorafe Wüste. Ich fuhr ca. 500m hinter einer Dreiergruppe, die allesamt im Dorf "Villanova de las Torres" in der von Veranstalter angegeben Bar hielten, um ihren Wasservorrat aufzufüllen. Ich realisierte, dass ich mich hintenanstellen müsste. Ein Blick auf meine Notizen zeigte mir jedoch, dass sich ein Dorf weiter in "Dehesas der Guadix" ein etwas versteckter Brunnen auf einem Spielplatz befand. Mein Stopp dort kostete mich keine zwei Minuten und bis die Drei wieder zu mir auffuhren, vergingen 1,5 Stunden! Der nächste große moralische Schub erfolgte bei Kilometer 206 gegen Ende der Wüste von Gorafe. Ich kam am Brunnen in Villanova an, als eine Vierergruppe um Bartholomäus gerade aufbrach. In diesem Moment realisierte ich das erste Mal, dass ich gar nicht so schlecht dabei war. An eine Pause war nicht zu denken. Meine Flaschen wurden direkt in den Brunnen getaucht (was auch immer ich an Bakterien dabei einsammelte) und weiter gings. Meine drei Jungs von zuvor machten im Übrigen noch Pause, als ich mich schon wieder zu den vier anderen dazugesellte. Die geringste Standzeit aller Teilnehmer mit nur 1:19 Stunden war ein Schlüssel zum Erfolg. Diese 79 Minuten beinhalteten alle meine Stopps während des Rennens für Verpflegung, Einkauf oder das Beheben kleiner technische Probleme am Rad. Bei Einbruch der Dunkelheit legte ich in Gor bei km 266 meine einzige wirkliche Pause von ca. 45 Minuten ein. Nach Kartoffeln, Ei und reichlich Cola machte ich mich als Fünfter wieder auf die Strecke. 7km später passierte ich Laveika, der am Staßenrand zu seinem zweiten Powernap des Tages ansetzte. Wenn er auf dem Rad saß, dann gab es für ihn nur volle Power und dafür eben mehr Pausen. Nach einer einsamen, aber flotten Nachtfahrt, vorbei am Observatorium mit seiner sicher herrlichen Aussicht, entdeckte ich ca. 110km später das rote Rücklicht von Nils Correvon. Es tat so gut! Nils war gerade in Gor aufgebrochen, als ich ankam. Ich hatte auf den letzten Kilometern 45 Minuten auf ihn herausgefahren und war immer noch in der Komfortzone unterwegs. Offensichtlich hatten sich alle bis auf den späteren Sieger mit ihrem Anfangstempo übernommen, denn Nils war neben Sebastian der Einzige, den ich seit dem Start nicht mehr gesehen hatte. Es folgte ein netter Plausch um 4.30 Uhr am Morgen während der Fahrt durch die Tabernas Wüste. Es war für uns beide wohltuend, in diesem Moment nicht alleine gegen die Müdigkeit und das sandige Flussbett ankämpfen zu müssen. Erschwerend kam für mich hinzu, dass ich in diesem Abschnitt wirklich Wassermangel hatte und ich mir meine letzten Tropfen, die ich seit Gor bei mir trug, gut einteilen musste. Gleichmäßiges Fahren war zu diesem Zeitpunkt im Flussbett nicht möglich, zu oft versank das Vorderrad plötzlich im Sand. Durch die gegenseitige moralische Unterstützung kamen wir vergleichsweise schnell durch den Abschnitt und so tauchte 15km später erneut ein rotes Rücklicht vor uns auf. Das konnte nur der zu diesem Zeitpunkt zweitplatzierte Ulrich Bartholomäus sein. Zu dritt brachten wir die letzten nervenaufreibenden Kilometer hinter uns und füllten in Tabernas unsere Wasservorräte wieder auf. Damit lagen „ Badlands“, wie die sandbedeckten Schluchten genannt werden und knapp 400 Kilometer hinter uns.

Emotionale Achterbahn

Am folgenden Abschnitt in Richtung Nijar beschloss ich, mich wieder ganz auf mich zu konzentrieren. Es waren noch 330km und ich setzte mich bei aufgehender Sonne auf einer traumhaften Serpentinenstraße bergauf mit Blick aufs Meer am Horizont von meinen Mitstreitern ab. Es war herrlich befreiend mich zu lösen, da doch das Ziel näherkam und sich die Stimmung in der Gruppe zu verändern begann. Ich strotzte in diesem Moment nur so vor Selbstvertrauen da ich spürte, dass meine Beine auch nach 450km noch richtig Power entwickeln konnten. Die nächste Versorgungsmöglichkeit in Nijar ließ ich bewusst aus, da ich nicht wollte, dass die Beiden evtl. wieder aufschließen würden und machte stattdessen bei Kilometer 490 einen schnellen Einkauf an einer Tankstelle. Mit einem kalten Kaffee im Trikot, aufgefüllten Trinkflaschen und zwei Schokocroissants in der Hand wurde die Fahrt nach drei Minuten fortgesetzt. Bei Kilometer 500 hatte ich 12km Vorsprung auf Ulrich und die Gedankenspiele in meinem Kopf waren erstmals nicht mehr aufzuhalten. Ich hatte mich gegen den Gedanken, um einen Podiumsplatz bei Badlands fahren zu können, bis zu diesem Zeitpunkt erfolgreich gewehrt. Nun wurde mir aber bewusst, dass sich meine Rennsituation definitiv geändert hatte und ich im Kampf um die vorderen Plätze mitspielen kann. Mit etwas Anspannung, aber auch großer Motivation durch diese Erkenntnis, bestritt ich in der Mittagssonne die herrlichen Gravelpassagen entlang des Mittelmeeres. Herrlich war es allerdings so lange, bis der Schiebeabschnitt durch den Strand anstand. Die Photographen warteten schon mit ausgerichteter Linse - und ich tat ihnen den Gefallen: Obwohl ich wusste, dass es eine Schiebepassage war, wollte ich fahren und machte den Jungs hinter den Objektiven damit eine Freude, da sie den erhofften Schnappschuss eines umkippenden Ben erhielten. In diesem Moment kam das erste Mal die Übermüdung von 34 Stunden Fahrradfahren zum Vorschein. Ich war richtig genervt! Ein Fahrrad ist schließlich dazu da, gefahren zu werden!

Das dicke Ende

Ab Almeria wurde es brutal. Die folgenden 200km hatte ich das Gefühl, die Veranstalter schickten uns die steilsten Abschnitte, die sie finden konnten, hoch und wieder hinunter. 20% Steigung waren keine Seltenheit. Wer die Vuelta a Espana verfolgt, dem sind die sogenannten betonierten Ziegenpfade ein Begriff. Ein solcher stand bei Kilometer 704 mit einer Länge von 11 Kilometern auf der Speisekarte! Die Müdigkeit begann sich immer mehr in mir auszubreiten und ich verlor ein wenig die Orientierung auf meiner mentalen Landkarte, was das Gefühl von nicht zielführendem Höhenmetersammeln mit dauerhaften Steigungsprozenten von 10-20 Prozent verstärkte. Die Kilometer wollten nicht mehr weniger werden, aber der Gedanke unter zwei Tagen finishen zu können, trieb mich an. Immer wieder, wenn die Augen zufielen, rief ich mir in Erinnerung, dass ich um Platz zwei bei Badlands fuhr - und das spornte mich an! 30 Kilometer vor dem Ziel war es dann aber endgültig so weit: Nach 750km und 43h im Sattel und ohne Schlaf wollte ich mich an den Straßenrand legen, da ich die Augen nicht mehr offenhalten konnte. Glücklicherweise schaute ich zuvor auf mein Handy und sah, dass mein Bruder mich vor Stunden angerufen hatte. Ich entschuldigte mich gedanklich schon, bevor ich um 3.30 Uhr auf die Wahltaste drückte - aber es war letztlich meine Rettung. Ich steckte mir meine Kopfhörer ins Ohr und erfreute mich zunächst an meinem Bruder und später an der Zuhause mitfiebernden Mama als Gesprächspartner auf meinen letzten Metern. Ich erwachte wieder zum Leben und beendete das Telefonat erst auf der Kuppe des letzten Berges. Ich hatte es geschafft und diese Minuten wollte ich nun genießen. Ich ließ das Rennen und die damit verbundenen Anstrengungen Revue passieren und die Müdigkeit tat das ihre dazu, dass der Damm brach: Die Tränen aus einer Mischung von Glück, Freude und Stolz waren nicht mehr aufzuhalten. In Capileira wurde ich von den Organisatoren und Fotographen als Zweiter von 300 Fahrern empfangen und bekam meine Finisher-Plakette nach 45:19 Stunden überreicht!

Ein Ergebnis perfekter Zusammenarbeit

Danke an Hardys für eure Unterstützung, eure fachliche Beratung und ein letztlich perfektes Fahrrad. Mein Open U.P. mit der Campagnolo Ekar Schaltgruppe, den Shamal Laufrädern, sowie den neuerschienen Overland Reifen von Schwalbe (wo der Entwickler persönlich bei mir nachfragte, wie ich denn schon an diesen Reifen gekommen wäre …) hatten großen Anteil am Erfolg in Andalusien! Es waren 45 Stunden, die von der Vorbereitung, der Verpflegung und der Ausrüstung bis zur körperlichen Verfassung einfach perfekt liefen. Ich könnte nicht glücklicher sein.

Bis in einem Monat

Gruß Ben

Wenn Du auf der Suche nach einem individuellen Gravelbike bist, dann schau in unseren Konfigurator oder komm in unseren Laden in die Hegelstraße 7 nach Großbettlingen! Sprich uns an und komm mit Deinen Wünschen und Anforderungen auf uns zu oder vereinbare einen Termin für Deine Bikeberatung: E-Mail info@hardys.tv.

SALE Jobs